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A. Schönberg / M. Neikrug – Pierrot lunaire / Through roses

Hier will ich einen weiteren Versuch unternehmen, Werke durch eine Gegenüberstellung neu zu interpretieren.

In Neikrugs großer Szene für Kammerensemble und Sprecher lebt ein ehemaliger KZ-Häftling die Zeit seiner Gefangenschaft noch einmal durch. Als Musiker wurde er zum Violinespielen gezwungen, während sein Frau umgebracht wurde. Ein Stück über die immense Kraft der Musik, aber auch über ihre Perversion, über 200 Jahre deutsche Musikgeschichte. Schönbergs minimalistische aber trotzdem opulente Vertonung von Hartlebens Übersetzung der Gedichte Albert Girauds für Sprechstimme wird oft als Grenzlinie des endenden Fin de Siècle gesehen.

Beide Komponisten haben, um sich der poetischen Kraft der Musik zu nähern, auf eine gesangliche Vertonung des Textes verzichtet. Für den ehemaligen Häftling ist die Erinnerung an Musik das, was ihn am Überleben als Mensch hält. Einmal so für die essentielle Bedeutung der Musik sensibilisiert, wird sich für den Zuschauer zeigen, daß Schönbergs Vertonung der weit mehr als dekadente, elitäre Kunstübung ist.